Kleine Stacheln, große Herausforderungen: Wenn die Tage kürzer und die Nächte kälter werden, beginnt für unsere heimischen Igel eine besonders wichtige Zeit.
Im Herbst sind die kleinen Stachelritter häufig in unseren Gärten unterwegs. Sie suchen nach Nahrung, erkunden geeignete Winterquartiere und bereiten sich auf ihren Winterschlaf vor.
Doch nicht jeder Igel, der uns begegnet, braucht automatisch Hilfe. Manchmal ist es sogar das Beste, ihn einfach in Ruhe zu lassen.
Woran erkennen wir also, wann ein Igel Unterstützung benötigt?
Bevor sich Igel in den Winterschlaf zurückziehen, müssen sie ausreichend Energiereserven aufbauen. Dafür sind sie vor allem in der Dämmerung und nachts auf Nahrungssuche.
Besonders für spät geborene Jungigel kann der Herbst eine Herausforderung sein. Ihnen bleibt weniger Zeit, um genügend Gewicht und Reserven für den Winter aufzubauen.
Aber Vorsicht: Ein kleiner Igel ist nicht automatisch ein hilfsbedürftiger Igel. Entscheidend sind sein Allgemeinzustand, sein Verhalten, die Witterung und seine Entwicklung.
Ein gesunder Igel ist normalerweise dämmerungs- und nachtaktiv, aufmerksam und bewegt sich zielgerichtet.
Es gibt jedoch deutliche Warnzeichen, bei denen wir nicht wegsehen sollten:
1. Verletzungen: Sichtbare Wunden, Blutungen oder Probleme beim Laufen.
2. Auffälliges Verhalten: Der Igel liegt apathisch herum, taumelt oder reagiert kaum.
3. Fliegen und Maden: Fliegeneier oder Maden am Tier sind ein akuter Notfall.
4. Unterkühlung und Schwäche: Der Igel fühlt sich auffällig kalt an, ist kraftlos oder stark abgemagert.
5. Verwaiste Jungtiere: Sehr junge Igel, die tatsächlich ohne Versorgung durch ihre Mutter sind, benötigen fachkundige Hilfe.
Auch ein tagsüber umherlaufender Igel sollte genauer beobachtet werden. Tagesaktivität allein bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass er krank ist.
Wichtig: Das Gewicht allein entscheidet nicht darüber, ob ein Igel Hilfe benötigt. Eine pauschale Grammgrenze ist deshalb kein zuverlässiger Maßstab.
Wer einen offensichtlich hilfsbedürftigen Igel entdeckt, sollte besonnen handeln.
1. Den Igel sichern
Mit Handschuhen oder einem Handtuch vorsichtig aufnehmen und in einen ausreichend hohen, ausbruchsicheren Karton mit Luftlöchern setzen. Ein Handtuch oder Küchenpapier dient als Unterlage.
2. Für Ruhe und Wärme sorgen
Den Karton an einen ruhigen, geschützten Ort stellen. Ist der Igel unterkühlt, kann eine handwarme Wärmflasche, gut in ein Handtuch gewickelt, helfen. Sie sollte nur einen Teil des Kartons erwärmen, damit der Igel ausweichen kann.
3. Fachkundige Hilfe kontaktieren
Möglichst schnell eine igelkundige Wildtierstation oder einen entsprechend erfahrenen Tierarzt kontaktieren. Verletzte, sehr schwache oder von Maden befallene Igel benötigen dringend professionelle Versorgung.
4. Nicht auf eigene Faust behandeln
Keine Medikamente, Entwurmungsmittel oder Flohpräparate verabreichen. Manche Mittel, die für Haustiere geeignet sind, können für Igel lebensgefährlich sein.
Igel ernähren sich in der Natur überwiegend von tierischer Nahrung wie Insekten, Käfern und anderen wirbellosen Tieren.
Eine Zufütterung kann in bestimmten Situationen sinnvoll sein, sollte bei hilfsbedürftigen Tieren aber mit einer fachkundigen Stelle abgestimmt werden.
Bitte niemals Milch oder Brot anbieten!
Milch kann schwere Verdauungsprobleme verursachen, und Brot bietet keine geeignete Ernährung.
Eine flache Schale mit frischem Wasser ist dagegen eine gute Unterstützung – besonders in trockenen Zeiten.
Oft können wir den kleinen Stachelrittern helfen, ohne sie überhaupt anzufassen.
Schon wenige Veränderungen machen einen großen Unterschied:
1.Laub- und Reisighaufen als mögliche Unterschlüpfe liegen lassen.
2. Kleine Durchgänge in Gartenzäunen schaffen.
3. Auf Laubsauger und unnötige Gartenchemie verzichten.
4. Mähroboter möglichst gar nicht einsetzen, insbesondere niemals nachts oder in der Dämmerung.
5. Lichtschächte, Kellertreppen und Teiche gegen Abstürze sichern oder Ausstiegshilfen anbieten.
6. Vor dem Umsetzen von Laub, Holz oder Reisig vorsichtig prüfen, ob sich Tiere darin verstecken.
Ein naturnaher Garten ist für Igel oft die beste Hilfe.
Wie wichtig rechtzeitige Hilfe sein kann, haben auch wir bei der Tiernothilfe Hagen erlebt.
Im Sommer wurde ein winziges Igelmädchen mit gerade einmal 135 Gramm gerettet. Dank liebevoller und fachkundiger Versorgung entwickelte sich die kleine Stachelträgerin prächtig und brachte im September bereits 461 Gramm auf die Waage.
Doch ihre Reise ist noch nicht zu Ende. ❤️
Unser Igelmädchen lebt weiterhin auf einer liebevollen Pflegestelle. Dort darf sie in einem geschützten Gemüsegarten den Winter verbringen, weiter zu Kräften kommen und sich auf ein Leben in Freiheit vorbereiten.
Natürlich wird sie dabei fachkundig betreut und kann ihren natürlichen Bedürfnissen entsprechend auch Winterschlaf halten.
Und wenn im Frühling die Natur wieder erwacht, soll auch für unsere kleine Stachelritterin ein neues Kapitel beginnen: die Rückkehr in die Freiheit. 🌿🦔
Bis dahin wird sie liebevoll begleitet – denn manchmal bedeutet Tierschutz auch, einem kleinen Leben einfach die Zeit zu geben, die es braucht.
Nicht jeder Igel braucht unsere Hilfe. Aber jeder Igel verdient unseren Schutz.
Wer aufmerksam durch die Natur geht, Gefahren im eigenen Garten reduziert und bei einem echten Notfall fachkundige Unterstützung sucht, kann viel für unsere heimischen Stachelritter tun.
Denn auch die Kleinsten unter uns haben ein Recht auf ein sicheres Leben.
Eure Tiernothilfe Hagen e. V. 🐾







